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Stichwort Pelze: Wie übernimmt Arcandor Verantwortung für den Tierschutz?

Gemäß unserer Selbstverpflichtung von 2003 bieten wir keine Produkte aus oder mit Echtpelz von Tieren an, die ausschließlich zum Zweck der Pelzproduktion gejagt oder in Zuchtfarmen gehalten werden. In diese Regelung sind Felle von Kaninchen, Hunden, Katzen und widersprüchlich deklarierte Felle eingeschlossen. Wir bieten nur Leder von Rind, Schaf, Schwein und Ziege an, die als Nebenprodukte der Lebensmittelproduktion anfallen.

Ein großer Teil der von Ihnen angebotenen Textilprodukte wird in Fernost produziert. Wie gewährleisten Sie faire Produktionsbedingungen und ökologische Standards bei den Zulieferbetrieben vor Ort?

Handel ermöglicht es, Menschen gerade in den Ländern zu helfen, in denen großer Handlungsbedarf besteht und die Umsetzung von Sozial- und Umweltstandards dringend benötigt wird. Im Rahmen unserer Beteiligung an der Gemeinschaftsinitiative „Business Social Compliance Initiative“ (BSCI) qualifizieren und auditieren wir im Verbund mit anderen europäischen Handelsunternehmen unsere Lieferanten durch Trainingsprogramme, die sich an unserem konzerneigenen Verhaltensstandard (Code of Conduct) orientieren. Er basiert auf den Kernnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz sowie Vereinigungsfreiheit der Arbeiter garantieren helfen. Zudem verpflichtet unser Code of Conduct jeden Lieferanten zur Einhaltung von Mindeststandards im Umweltschutz. Durch reguläre Audits wird überprüft, ob Sozialstandards und gesetzlichen Anforderungen im Umweltschutz eingehalten werden.

Was tun Sie konkret für die nachhaltige Verbesserung der dortigen Arbeitsbedingungen?

Eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen kann das Unternehmen nur im Verbund mit seinen Stakeholdern - also Regierungen, Handelspartnern, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen - verwirklichen. Dabei sind wir auf vertrauenswürdige Gesprächspartner angewiesen, die über Fragen des Arbeitsrechts und gesetzlicher Richtlinien gut informiert sind. Die Voraussetzung dafür schaffen wir durch „Awareness-Rising-Workshops“ und „Runde Tische“ vor Ort. In Bangladesh haben wir mit einer Joint Initiative zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Öffentlichkeit große Resonanz gefunden.

Was unternimmt Arcandor, um sicherzustellen, dass bei seinen Lieferanten und Sublieferanten keine Kinderarbeit erfolgt?

Wir verpflichten unsere Lieferanten, ihre Sublieferanten im Hinblick auf alle Sozialstandardkriterien auszuwählen, sie regelmäßig zu schulen und zu überprüfen. Nach den strengen Grundsätzen dieser Kriterien wird Kinderarbeit auf allen Arbeitsebenen uneingeschränkt zurückgewiesen.

Arcandor lässt viele Produkte ausschließlich von zertifizierten Unternehmen fertigen und kontrolliert dies mittels so genannter Audits. Wie funktionieren diese Audits, und was bedeutet das Kürzel BSCI in diesem Zusammenhang?

Wir erwarten von unseren Vertragspartnern, dass sie sich an die geltenden Gesetze halten. Ihre Produkte, Produktions- und Fabrikanlagen müssen die erforderlichen Sicherheitsstandards erfüllen. Alle Lieferanten unterliegen einem mehrstufigen Kontrollsystem, von der Vorabprüfung und kontinuierlichen Qualitätsprüfungen bis hin zu Zertifizierung und regelmäßigen Kontrollen durch unabhängige Prüfgesellschaften (Audits). Unser System entspricht den Leitlinien der „Business Social Compliance Initiative“ (BSCI). Diese Gemeinschaftsinitiative europäischer Handelsunternehmen versucht, die Arbeitsbedingungen und Umweltschutzmaßnahmen in den Erzeugerländern mittels umfassender Überprüfung der Buchhaltung, Besichtigung von Fabrikräumen, Befragung der Fabrikleitung und Arbeiter stetig zu verbessern. Lieferanten, die in diesen Prüfungen von unseren Angaben abweichen, erhalten im Rahmen eines genau abgestimmten Entwicklungsprozesses die Chance, sich bis zur nächsten Prüfung kontinuierlich zu verbessern.

In Asien produzierte Waren haben einen langen Weg nach Europa. Die Kosten steigen künftig, weil das Ende des günstigen Erdöls naht. Muss eine nachhaltige Produktion nicht näher an den Verkaufsstandorten stattfinden?

Arcandor verhandelt weltweit mit Anbietern über die Lieferung von Waren. Auswahlkriterien sind die Qualität der Produkte, der Preis, die Fähigkeit des Lieferanten, Lieferzeiten einzuhalten sowie umwelt- und sozialverträgliche Produktionsbedingungen. Der Produktionsstandort und damit verbundene Transportkosten sind nur eines von vielen Kriterien für unsere Lieferantenauswahl. Außerdem ist der Energieaufwand nicht notwendigerweise geringer für Produkte, die näher an den Produktionsstandorten gefertigt werden.

Untersuchungen des Weltklimarats zeigen, dass Klimaschutz gesellschaftliche Priorität einnehmen muss. Wie tragen Sie als Handels- und Touristikkonzern zur Minderung der Treibhausgase bei?

Für unsere Beschaffung gilt, dass die überwiegende Anzahl der Waren auf dem umweltverträglicheren Seeweg nach Europa und von dort zu den Verkaufsstandorten transportiert wird. Mit Hilfe modernster Logistik versuchen wir eine optimale Auslastung von Transportcontainern auf See-, Land- und Luftweg zu erzielen. Damit senken wir den konzernweiten Energieverbrauch und mindern den CO2-Ausstoß. Im Flottenbetrieb unserer Touristiksparte setzen wir konsequent auf moderne, energieeffiziente Flugzeugtypen.

Was unternimmt Arcandor zur nachhaltigen Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Bangladesh, wo es im Jahr 2005 einen Fabrikeinsturz mit 64 Toten und fast ebenso vielen Verletzten gegeben hat?

Das Unternehmen hatte in der Fabrik Anfang 2004 Testaufträge laufen, seitdem bestand aber keine Geschäftsbeziehung mehr mit dem Fabrikanten. Zu Gunsten der betroffenen Unglücksopfer und ihrer Familien haben wir uns dennoch frühzeitig bereiterklärt, uns an einer gemeinsamen Fondslösung zu beteiligen. Dieser internationale Treuhandfonds für die Opfer des Fabrikeinsturzes kam erst spät nach intensiven Bemühungen zustande. Deshalb hatten wir zusammen mit Steilmann, Scapino und Cotton Group zuvor einen Überbrückungsfonds für die Opfer eingerichtet. Diese Fondsmittel kamen unmittelbar und frühzeitig den Betroffenen des Unglücks zugute – dank der Vergabe durch die Hilfsorganisation FRIENDSHIP. Das Vorhaben des internationalen Treuhandfonds unterstützt Arcandor weiterhin.
Eine nachhaltige Verbesserung der allgemeinen Arbeitsbedingungen in Bangladesh kann nur durch ein breites gesellschaftliches Kooperationsbündnis verwirklicht werden. Deshalb setzen wir uns aktiv vor Ort in Gesprächen und Maßnahmen mit Politikern, Gewerkschaften, Unternehmensverbänden und Nichtregierungsorganisationen ein. 

Wie weit ist FRIENDSHIP mit der Koordinierung von Hilfsmaßnahmen?

Nachdem die Recherchen zu den Opfern und ihren Ansprüchen abgeschlossen waren, begann FRIENDSHIP mit den Hilfeleistungen für die Hinterbliebenen der Opfer. Die Maßnahmen basieren dabei auf dem Grundsatz „Hilfe zur Selbsthilfe“, um den Betroffenen die Chance zu eröffnen, wieder eigenes Einkommen zu erzielen.

Welche Rolle spielt eine soziale und ökologische Verantwortung für Arcandor in der Sparte Touristik?

Unsere Touristikgesellschaft Thomas Cook handelt konsequent verantwortlich. Umweltvorsorge bedeutet für sie, beim Ferienflieger Condor auf eine moderne Flotte mit energieeffizienten und lärmreduzierten Flugzeugmustern zu setzen. An Bord wird im täglichen Flugbetrieb Mülltrennung praktiziert. Im Hotelbereich verfolgt Thomas Cook Umweltprogramme, die sich an internationalen Richtlinien wie ISO 14.001 und EMAS orientieren. Sie ermöglichen umfangreiche Maßnahmen zur Einsparung von Strom, Wasser, begrenzter Rohstoffe und fördern den Einsatz modernster, effizienter Technologien. Tourismus verbindet Menschen weltweit und ermöglicht zugleich Chancen zu Völkerverständigung und sozialem Engagement. Bereits 1978 haben Mitarbeiter der NUR Touristic GmbH den Verein „Kinder in Not“ gegründet. Nach über 25 Jahren hilft sie auch heute als freiwillige Initiative unserer Mitarbeiter, die sich in ihrer Freizeit derzeit um die Ausbildung von rund 200 Kindern in Nepal kümmern, weltweit bedürftigen Kindern in Not.